Mobilfunk Studien

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Neueste Studienergebnisse untermauern die Forderung, dass das Bundesamt für Strahlenschutz zu seinen Aufgaben des Strahlen- bzw. Verbraucherschutzes zurückkehren muss und die Risiken der Mobilfunkstrahlung nicht weiter verharmlosen darf.

Eine Studie der Universität Haifa (Israel) bestätigt in 2016, was Mediziner schon lange vermutet haben: Die elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen kann die männliche Fruchtbarkeit schädigen.

Mittlerweile weisen über 100 Studien nach, dass Mobilfunkstrahlung oxidativen Zellstress auslösen und mutagene Veränderungen an den Zellen nach sich ziehen kann. In dem Editorial Mikrowellenstrahlung niedriger Intensität: ein neues Oxidationsmittel für lebende Zellen‘ in der Fachzeitschrift ‚Oxidants and Antioxidants in Medical Science‘ vom 29. März 2014 berichtet die Gruppe, dass von begutachteten 80 Studien 92,5 % ( = 76 Studien) diesen Schädigungsmechanismus nachweisen. Dies sei ein „unerwartet starker nicht-thermischer Charakter bei den biologischen Wirkungen“, schreibt die Forschergruppe.

Mikrowellenstrahlung der Mobilfunk-Endgeräte niedriger Intensität könne „zu mutagenen Wirkungen durch deutliche oxidative Schädigung der DNA“ führen, weil „die erhebliche Überproduktion von ROS (Anm: reactive oxygen species; ‚Sauerstoffradikale‘) in lebenden Zellen bei Exposition durch Mikrowellenstrahlung ein breites Spektrum von Gesundheitsproblemen und Krankheiten verursachen könnte, einschließlich Krebs bei Menschen“.

Das elektromagnetische Spektrum von 5G, Quelle: quarks.de

In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse einer Studie von Singh et al. (2020). Es wurde untersucht, ob eine langfristige Belastung mit Mobilfunkstrahlung über 16 Wochen oxidativen Zellstress auslöst. Die Ergebnisse bestätigen, dass diese Wirkungen durch UMTS-Strahlung im nicht-thermischen Bereich auftreten. Für die Studie wurde als Strahlenquelle ein Samsung-Handy, das einen Video-Anruf empfing, verwendet.

Eine Studie von Surducan et al. (2020) trägt den Titel: „Kontinuierliche 915-MHz-Strahlung verändert das Wachstum von Pflanzen.“  Man fand signifikante Unterschiede in der Entwicklung der Pflanzen zwischen den bestrahlten und unbestrahlten Pflanzen, bei Wachstumshöhe, Anzahl der Blüten, Gehalten an Chlorophyll sowie Änderungen der Struktur der Zellen in den Blättern.

In der Datenbank der Bundesregierung (EMF-Portal) standen im Juli 2019 28.754 Studien, von denen 6.369 ausgewertet sind. Die Auswertung erfolgte zur Nieder- und Hochfrequenz aus allen Bereichen (Technik, Epidemiologie, in Vivo, in Vitro), aber „nur“ 1.594 zum Frequenz-Bereich Mobilfunk und ist dort unter „Studienübersichten“ dokumentiert. Zu 5G sind zwar 93 Studien gelistet, davon gehören 74 zur Technik / Dosimetrie, Sonstige 19 und nur 5 zur Medizin/Biologie. Diese fünf sind bisher im EMF-Portal nicht analysiert und das im Juli 2019, mitten im 5G-Ausbau! Von den 1.594 Studien zum Mobilfunk zeigen mindestens 800 biologische Effekte. Fast 500 Studien weisen ernste gesundheitliche Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung nach, eine dieser Studien wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz selbst in Auftrag gegeben.

Hier einige Forschungsergebnisse:

Über 50 Studien weisen die Schädigung der männlichen Spermien nach, wie verminderte Fruchtbarkeit, Unfruchtbarkeit, sowie Folgeschäden bei den Neugeborenen. Der Review „Rückgang der Spermienqualität. Umweltmedizinische Faktoren“ (2019) zeigt den Zusammenhang mit anderen Umweltnoxen. 70 Studien weisen schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung der Embryonen nach. Die Verbraucherschutzorganisation diagnose:funk hat das Schädigungspotential für die Reproduktion in einem 24-seitigen Brennpunkt dokumentiert:„Smartphones & Tablets schädigen Hoden, Spermien und Embryos“ (2016). Diese Forschungsergebnisse sind besonders bedeutend, denn Smartphones und Tablet PCs werden oft auf dem Schoß bzw. in der Hosentasche getragen.

Inzwischen weisen auf Grund der verbesserten Datenlage auch immer mehr Studien nach, dass Mobilfunkstrahlung Krebs auslösen kann. Seit 1990 haben über 80 Studien DNA-Strangbrüche (Erbgutveränderungen) durch elektromagnetische Strahlung nachgewiesen. Tumore können die Folge sein.

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Die REFLEX – Studie (2004) wies nach, dass Mobilfunkstrahlung (GSM & UMTS) weit unterhalb der Grenzwerte zu DNA-Strangbrüchen führen kann und deshalb ein krebsförderndes Potenzial hat. Sie wurde von der EU finanziert und in einem europaweiten Forschungsverband unter der Leitung von Professor Franz Adlkofer durchgeführt.

Der Krebsspezialist Prof. Mosgöller hat bereits 2010 in dem Artikel „Vorsorge aufgrund wiederholter Feststellung sogenannter a-thermischer Wirkungen von HF-EMF“ darauf hingewiesen, dass nicht-ionisierende Strahlung krebserregend sei.

Im Mai 2011 wurde die Mobilfunkstrahlung von der WHO als „möglicherweise krebserregend‘ eingruppiert. Groß angelegte Studien der österreichischen AUVA-Versicherung (ATHEM-Report 2012 & 2016) und der US-Gesundheitsbehörde (NTP-Studie 2016) bestätigen das Krebsrisiko.

2014 hat der schwedische Epidemiologe Prof. Lennart Hardell in einem Vortrag den Stand der Wissenschaft zusammengefasst.

Falcioni et al. (2018) haben am Ramazzini-Institut (Italien) 2.500 männliche und weibliche Ratten lebenslang mit 1.800 MHz (2G-GSM / 3G-UMTS) bestrahlt mittels einer Simulation von Basisstationen. Das Ergebnis zeigte erhöhte Raten von Schwannomen des Herzens und von Gliomen. Dieses Ergebnis bestätigt die Resultate der US-amerikanische NTP-Studie.

Prof. James C. Lin (University of Illinois) nimmt in dem Artikel „Die Bedeutung von Primärtumoren in der NTP-Studie zur Langzeitexposition von Ratten gegenüber Mobilfunkstrahlung“ (2019) zu den Ergebnissen der NTP-Studie (USA) und der Ramazzini-Studie (Italien) Stellung. Fazit: „Es ist an der Zeit, dass die IARC ihre frühere auf epidemiologischen Ergebnissen beruhende Einstufung zur Exposition hochfrequenter elektromagnetischer Felder im Hinblick auf deren Karzinogenitätfür den Menschen verschärft (…)“

Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht eine Krebs promovierende (das heißt beschleunigende) Wirkung als gesichert an. Neueste Forschungsergebnisse zur stundenlangen Handynutzung bei Vieltelefonierern über mehr als 20 Jahre zeigen ein bis zu 5-fach erhöhtes Krebsrisiko.

Inzwischen mehren sich die Forderungen, dass die internationalen Gremien ihre bisherigen Bewertungen revidieren sollten. So stellt Prof. James C. Lin (von 2004 bis 2016 ICNIRP-Mitglied und von 2008 bis 2012 Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Physik und Technik der ICNIRP) als Fazit einer Tagung des National Institute of Environmental Health Sciences (USA) fest, dass die Krebsstudie des National Toxicology Program (NTP) klare Nachweise („clear evidence“) für das Krebsrisiko erbracht hat. Aus diesem Grund sollte, so Lin, die Einstufung der nicht-ionisierenden Strahlung von „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2B) auf „wahrscheinlich krebserregend“ (Gruppe 2A) erfolgen.

Mehrere Wissenschaftler fordern die Einstufung in „krebserregend“ und der beratende Ausschuss der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hat empfohlen, mit hoher Priorität zu prüfen, ob nicht auf Grund neuer Studien eine Einstufung der mit der Hochfrequenz-Strahlung verbundenen Krebsrisiken in eine höhere Gefahrenkategorie notwendig sei.

Es gibt bereits signifikante Anstiege bei bestimmten Krebsarten unter Kindern und Jugendlichen. Das zeigt die Auswertung der US-Krebsstatistik:

„Die Fälle von gutartigen Tumoren des zentralen Nervensystems haben jedoch deutlich zugenommen. Zum Vergleich kam es bei Jugendlichen zu einer Zunahme von bösartigen und gutartigen Tumoren des zentralen Nervensystems. Bei Kindern kam es zu einer Zunahme von akuter myeloischer Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphomen sowie bösartigen Tumoren des zentralen Nervensystems“ (Gittleman et al. US-Krebsstatistik 2015, S. 111).

Auch das Robert-Koch-Institut dokumentiert für alle Malignome bei Kindern einen Anstieg von ca. 25 % zwischen 1994 und 2012 (RKI 2015, S. 137). In der schwedischen Statistik sind diese Entwicklungen bereits deutlich abgebildet. Tumore an Zunge, Hals und Schilddrüse zeigen klare Steigerungsraten. Schilddrüsentumore bei Frauen zwischen 20 und 39 Jahren haben sich in nur 8 Jahren verdoppelt.

Prof. Franz Adlkofer, ehem. Koordinator der europäischen REFLEX-Studien, kommt nach der NTP-Studie zu dem Schluss: „Die Gentoxizität der Mobilfunkstrahlung kann entsprechend dem Stand der Forschung inzwischen als gesichert angesehen werden“ (Prof. Adlkofer 2016).

Quelle: diagnose:funk (In Zusammenarbeit mit Fachwissenschaftlern und Experten wertet die Non-Profit-Organisation ‚diagnose:funk‘ kontinuierlich die Studienlage aus. Die Mitglieder des Expertenbeirats bringen ihre Expertise ein und unterstützen bei der Überprüfung und Auswertung von Studienergebnissen).

Über die Studienlage seit den 1980er Jahren wird hier ausführlich berichtet.