Aktuelles

„5G ist wie ein Realexperiment am Menschen“ 1

„Die Anwendung des Vorsorgeprinzips auf die Mobilfunktechnologien ist eine zu drastische Maßnahme“ 2

Artikel 191 des geltenden EU-Vertrags:
„Die Umweltpolitik der Union beruht auf den Grundsätzen der Vorsorge und Vorbeugung.“

Die Zeit drängt, denn der 5G Ausbau in Stadt und Landkreis Kassel wird rasant vorangetrieben. Hier eine Übersicht mit durchweg unkritischen Nachrichten aus dem Presseportal:

Die Mobilfunk-Versorgung in Kassel ist jetzt noch besser. Die Telekom hat dafür in den vergangenen neun Monaten einen Standort neu gebaut und fünf mit 5G erweitert. Durch den Ausbau verbessert sich die Mobilfunk-Abdeckung in der Stadt. Insgesamt steht damit mehr Bandbreite zur Verfügung. Außerdem wird auch der Empfang in Gebäuden besser. Vier Standorte dienen zudem der Versorgung entlang der Autobahn und zwei Standorte dienen zudem der Versorgung entlang der Bahnstrecke. Mit der Erweiterung um 5G erhält die Stadt einen digitalen Standortvorteil.

Die Telekom betreibt in Kassel jetzt 70 Standorte. Die Bevölkerungsabdeckung liegt bei nahezu 100 Prozent. Bis 2022 sollen weitere 21 Standorte hinzukommen. Zusätzlich sind im selben Zeitraum an drei Standorten Erweiterungen mit LTE und 5G geplant. Quelle: Presseportal

Durch den Ausbau verbessert sich die Mobilfunk-Abdeckung auch im Landkreis Kassel. Insgesamt steht damit mehr Bandbreite zur Verfügung. Außerdem wird auch der Empfang in Gebäuden besser. Die Standorte stehen in folgenden Kommunen: Bad Emstal, Baunatal, Espenau, Fuldabrück, Fuldatal, Grebenstein, Hofgeismar, Oberweser, Vellmar, Wolfhagen und Zierenberg (2). Die Standorte in Baunatal, Fuldatal, Wolfhagen und Zierenberg (2) dienen zudem der Versorgung entlang der Autobahn, der Standort in Fuldabrück dient zudem der Versorgung entlang der Autobahn/Bahnstrecke und die Standorte in Espenau, Grebenstein und Vellmar dienen zudem der Versorgung entlang der Bahnstrecke. Mit der Erweiterung um 5G erhält der Landkreis einen digitalen Standortvorteil. Quelle: Presseportal

Anzahl der Mobilfunkmasten in Kassel, Quelle: handymasten.com
5G Mobilfunknetz im Raum Kassel, Quelle: Telekom

Der 5G Ausbau wird vorangetrieben, obwohl er für Privatpersonen außer einer schnelleren Downloadgeschwindigkeit keine Vorteile bringt und obwohl es schon vorab Protest in der Bevölkerung und Warnungen seitens der Wissenschaft gegeben hat!

5G wird ausgebaut, obwohl in der Expertise des Europäischen Parlaments „5G Deployment“ von Blackman/Forge und einem Interview des Bundesamtes für Strahlenschutz übereinstimmend offen zugegeben wird: 5G ist ein Feldversuch.

Doch es kommt noch schlimmer: Kassel ist seit September 2020 offizielle Smart City. Mit ihrem Projekt „Smart Kassel“ hat die Stadt Kassel den Zuschlag vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat für das Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities: Stadtentwicklung Digitalisierung“ erhalten. Verbunden damit sind Zusagen für Fördermittel in Höhe von elf Millionen Euro. Beworben hatten sich 86 Kommunen, 32 Modellprojekte wurden in unterschiedlichen Kategorien ausgewählt.

Folgende Projekte wurden bereits genannt (Extra Tip, 12.09.2020): Smart Kassel Council, smart safe mobility, smart H2 quaters, smart eco system services, smart welcome city, smart city goes citizen…

Was diese Begriffe bedeuten, erfahrt Ihr hier.

Es stellt sich die Frage, wer all‘ diese smarten Innovationen überhaupt benötigt, ob sie das (Zusammen-)Leben und den Wohl-Stand der Menschen wirklich verbessern oder ob unsere Kommunen nicht zu einem Marktplatz digitaler Geschäftsmodelle werden. Verkommen wir Menschen (Subjekte!) nicht mehr und mehr zu Objekten, Nummern und Daten-Spendern? Wurden wir gefragt, ob wir in einer digitalen, smarten, strahlenden Umgebung und einem all-vernetzten Internet-der-Dinge leben möchten? Technologie sollte sich an den echten menschlichen Bedürfnissen orientieren und ihnen dienen und nicht umgekehrt!

Einige kritische Stimmen zur Smart City:

Rena Tangens, Vorsitzende des Vereins Digitalcourage e.V.: „Statt mehr Überwachung, Kontrolle, Sensoren und Leitsystemen brauchen wir mehr Menschen, die sich für ihr Umfeld, für ihre Nachbarschaft und für ihre Stadt verantwortlich fühlen.“

„Von den Stadtbewohnern ist in den Konzepten der Tech-Konzerne wenig zu lesen. Sie kommen allenfalls am Rande vor. Als Konsumenten, deren Gewohnheiten von technischen Systemen beobachtet und gegängelt werden“ stellt der Informationsarchitekt und Verfasser der Streitschrift „Against the Smart City“ (2013), Adam Greenfield, fest. In einem Interview aus dem Jahr 2017 warnt er vor den Schattenseiten der Smart City.

Unsere Städte sollen durch smarte Anwendungen effizienter, fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver werden. Dies erinnert stark an die Technikgläubigkeit der 1960er Jahre: Technologie (die Gottheit des 21. Jahrhundert) als Allheilmittel. 2018 erhielt das Konzept der „Smart City“ den deutschen Big Brother Award in der Kategorie PR & Marketing.

Bild von Serena Wong, pixabay.com

Zu den Schattenseiten einer digitalisierten Smart City hat sich Peter Hensinger von diagnose:funk sehr fundiert geäußert. Er beschreibt in diesem Artikel den Weg zum konditionierten Untertan.

Zitat-Quellen 1: diagnose:funk, 2: diagnose:funk